Highland Cattle Bio Hof
/

 

 

Urs

Urs Güdel, Bio-Bauer und Landschaftsgärtner, begeisterter Musikant - hat sehr viel Freude an Umwelt, Natur und Tieren. Mit viel Enthusiasmus und Engagement versuche ich, zahlreichen Tieren ein artgerechtes Dasein zu ermöglichen. Das Zusammenspiel zwischen Natur, Tier und Mensch ist mir sehr wichtig und die Tiere nehmen bei mir einen hohen Stellenwert ein. 

2012 erschien untenstehender Artikel im Unter-Emmentaler:

«Gärtner» Güdels Stämme, Schafe und «Schotten»

Neo-Biobauer Urs Güdel und seine «Schotten» auf dem Ursenbacher «Schynegütsch». Hier stehen auch viele seiner Hochstammbäume und weiden die Bündner Alpenschafe.

Urs Güdel stellte seinen Bauernhof 2011 auf Bio mit Knospe um. Im Heimet am Rande von Ursenbach ist der gelernte Landschaftsgärtner aufgewachsen. Sein Landwirtschaftsbetrieb im Nebenerwerb umfasst rund 7 ha in der Hügel- und in der Bergzone rund um den Schynegütsch – eigene stotzige Matten und Pachtland bis nach Kleindietwil hinüber. Darauf stehen Hochstammbäume und weiden Schafe, Schweine und «Schotten».

Für die Leute im Dorf werde er wohl immer der Gärtner bleiben. Auch wenn er sich stets auch als Rucksackbauer gespürt hat. Urs Güdel lacht. Bauern und Bio habe viel mit seiner Herkunft und mit seiner Lebenseinstellung zur Erhaltung bedrohter Tierarten und Pflanzen zu tun. Eine Sicht der Dinge, die sich mit den Jahren entwickelt und gefestigt habe. Urs Güdel entschied sich nach dem Tod seines Vaters vor drei Jahren, daheim neben dem Gartenbaugeschäft weiterzubauern. Und auf Bio umzustellen. Im letzten August  erhielt Urs Güdel das Kontroll-Zertifikat und die Knospe-Anerkennung als Umstellungsbetrieb von Bio Suisse.   

Wenige Investitionen

 Diese Umstellung auf dem kleinen Güdel-Heimet sei im Prinzip nicht mit viel Aufwand verbunden, sagt Güdel: «Mein Vater hat schon immer  beinahe biologisch gewirtschaftet. Ich betreibe kaum Ackerbau. Die Kühe halte ich anders als mein Vater ohne Milchwirtschaft und Melken. Ich habe rasch auf Mutterkuh-Haltung umgestellt.» Etliche Umbauten stehen aber trotzdem an, wie ein Blick auf seine Umbaupläne beim Schweinestall hinter dem Heimet am Dorfrand und beim Vieh-stall und Auslaufhof hoch oben auf dem Schynegütsch zeigen. Die Pläne hat Güdel selbst gezeichnet, die meisten Arbeiten übernimmt er ebenfalls in Eigenregie. Seine Frau arbeitet auswärts, die drei Kinder gehen noch zur Schule.

Schotten statt Fleckvieh

Das letzte Fleckvieh seines Vaters wurde erst kürzlich gemetzget. Güdel hat sich für Highland-Cattles in seinem Laufstall entschieden. Er nennt die fremden Rinder «Schotten» und weiss beim besten Willen nicht mehr, wann und wie er auf sie gekommen ist. Der erste Nachwuchs kam Ende 2011 im eigenen Stall zur Welt. Von seinen bauernden Kollegen im Dorf habe sich noch keiner direkt zu seinem ungewöhnlichen Viehbestand geäussert. Für ihn passen die «Schotten» jedenfalls bestens auf das magere Land beim Ursenbacher Schynegütsch. Wie auch die sechs neuen Bündneroberländer Alpenschafe pro specie rara. Sie grasen mit bester Fernsicht weit über Täler rundum bis in die Luzerner und Berner Alpen und den Jura. Im Verkauf von Fleisch sieht Urs Güdel künftig eine wichtige Wertschöpfung seines Betriebs. Das Fleisch der Bio-«Schotten» sei fettarm, chüschtig und gefragt. Ebenso das Fleisch der biologisch gehaltenen Schweine. 

Alte Obstsorten an Hochstammbäumen

An Güdels Hochstammbäumen reifen Jahr für Jahr viele alte Äpfelsorten, aber auch Kirschen, Birnen, Zwetschgen, Pflaumen, Quitten und Reineclauden. Im letzten Jahr machte er sich speziell auf die Suche nach vergessenen Apfelsorten, um sie mit Neupflanzungen ab sofort selbst auch zu hegen. Er schätzt aber auch den Wert seiner uralten Obstbäume. Sie sind Lebensraum für Vögel, Insekten und Würmer. 

Rucksackbauer und Blasmusiker

«Mein Grossvater hatte vier Geissen im Stall, mein Vater zwei bis drei Kühe. Er arbeitete daneben zu 100 Prozent in der ehemaligen Bögli-Fabrik.» Heute erwirtschaftet Urs Güdel als selbsternannter «Rucksackbauer» rund 30 Prozent seines Einkommens auf dem Biobetrieb in Umstellung. «Gut natürlich, wenn es noch etwas mehr wird», sagt der passionierte Blasmusiker. Er spielt selbst Saxophon und Klarinette. Er leitet heute unter anderem die Harmonie Safenwil-Walterswil. Seine Wahl zum Dirigenten der Musikfusion zwischen dem aargauischen Safenwil und dem Solothurner Walterswil (nicht das Nachbardorf der Ursenbacher also!) dokumentierte das Schweizer Fernsehen 2010 in «SF bi de Lüt,  Vereinsgeschichten» ausführlich.

Direktverkauf und Agrotourismus

Biobauer Urs Güdel zählt mit sieben Hektaren Land, 140 Hochstammbäumen, acht schottischen Hochlandrindern, 20 Schafen und 3 Mastschweinen zu den Kleinbauern im Dorf. Er vermarktet seine Produkte aus der Landwirtschaft direkt. Zurzeit hat er Fleisch, Most, Früchte und Schnaps im Angebot. Geplant sind aber auch Erlebnisse für Agrotouristinnen und -touristen aus nah und fern: Führungen zu den Obstbäumen und zu den schottischen Rindviechern, ein Pflanzenlehrpfad. Dazu müsse er sich gleich noch wegen der Burgstelle im nahegelegenen Dählewäldli schlau machen. Zudem stünden ja noch zwei alte Bienenhäuser seines Vaters leer… Ruth Hug